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Colin Archer, * 22.07.1832 – 8.02.1921+, wirkte in Norwegen als Konstrukteur und Bootsbauer von ca. 1865 bis 1911. Aber erst 1883 nach langem Studium gelang ihm der Durchbruch und Anerkennung seiner Boote. Danach entstanden außer den berühmten Rettungskutter auch viele Yachten und sein berümtestes Boot war sicherlich die „Fram“, mit der Fridtjof Nansen zum Nordpol segeln wollte. Eines seiner kleinen Konstruktionen war die „Pipi“. Sie war als Fahrten und Regattayacht gedacht. Den passenden Riß dazu fand ich 1984 in der Zeitschrift „SEGELN“ , in der auch ein entsprechender Artikel über Colin Archer veröffentlicht war. Hier war unter Anderem zu lesen: Der Kutter Pipi ist ein typischer Entwurf für Colin Archers Spitzgatt-Yachten zum Fahrten- und Regattasegeln. Die Spitzgatter waren populäre Boote mit wenig Verdrängung und guter Geschwindigkeit. Die Pipi war 35 Fuß 4 Zoll lang (ca.10,7m), neun Fuß 2 Zoll breit (ca. 2,8 m) und hatte einen Tiefgang von 4 Fuß 9 Zoll (ca.1,4m). Die Lienien zeigen ein schlankes Boot mit gutem Geschwindigkeitspotenzial, sinnvoll geriggt und praktisch eingerichtet. Eine Pumpe hatte ihren Platz auf dem Brückendeck vor dem Rudergänger. Eiserne Bodenwrangen hielten die gebauten Spanten auf dem breiten Kiel, anstelle der bei den Arbeitsschiffen üblichen massiven hölzernen Bodenwrangen. der Mast war überraschenderweise durch die Vorstagen nach vorne gebogen. Die Wanten hatten noch Jungfern, obwohl die meisten der damaligen Yachten schon Spannschrauben hatten. Das Unterliek des Großsegels wurde fest am Baum gefahren. - Nach den winzigen Abbildungen in der zeitschrift (ca. 9x9 cm) zeichnete ich mir einen Linien- und Spantenriß im Maßstab 1:10 auf, denn ein Boot von ca 1m Länge erschien mir gerade recht für ein Bündel Mahagonileisten 7 x 1,5 mm und 5 x 1,5 mm das seit Jahren in meinem Keller ein ungenutztes Dasein fristete. Aus diesem Grunde setzte ich alle 5 cm einen Spant. Und verstärkte die Leisten innen noch zusätzlich mit einer Glasmatte. Da ich später jedoch bessere Unterlagen von Archers Booten bekam, zeichnete ich einen kompletten neuen Plan der vorbildgetreuer ist, als mein oben abgebildetes Urmodell.
Da sich mein einfaches Boot, daß außer mir noch viele Freunde gefunden hat welches die zahlreichen Nachbauten beweisen, als guter zuverlässiger Segler bewiesen hat, möchte hier ein wenig darüber berichten. Auch heute noch nach über 20 Jahren, ist das Modell immer noch in seinem Urzustand und erzielt auch heute noch Bewunderung durch seine guten Segeleigenschaften und die sichtbare Leistenbauweise. Darum kann ich auch heute noch dieses Modell empfehlen. Damals habe ich dafür 3 Wintermonate was ca. 120 Stunden entspricht aufgewendet. In der nachfolgenden Spantenbauweise habe ich alle meine Boote angefertigt. Diese macht gar nicht so viel Arbeit meine ich, jedenfalls nicht so viel wie oft angenommen wird. Vorausgesetzt die Spanten stimmen was bei der geringen Plankenstärke unbedingt Voraussetzung war. Natürlich waren die Nordischen Boote mit dickeren Planken und kräftigen Kielen versehen, sollten sie doch den rauen Witterungen standhalten. Als Baumaterial wurde im Gegensatz zu meinem Boot sicherlich hauptsächlich Eiche und Kiefer verwendet. Den Kiel fertigte ich jedoch aus einem 10 mm starken Kiefernbrett an. Und wie es sich für ein klassisches Boot gehört, wurde dieser wie man so sagt für den Bau aufgelegt, was heißen soll, der Bau wurde „auf Kiel gelegt“. Zuvor ließ ich mir noch in einer Schlosserei den Kiel aus einer 20 mm starken Stahlplatte brennen. Der Holzkiel besteht aus drei Teilen, dem waagerechten Mittelteil und je einem schräg angesetzten Bug- und Heckteil. Diese wurden stumpf aneinandergeleimt, und danach der Ballast eingepaßt. Der Ballast hat im gleichen Abstand vom Schwerpunkt 2 Gewindebohrungen M 6. Durch diese wurde mit Schrauben die Verbindung zum Kiel hergestellt. Vor dem endgültigen Zusammenbau ist der Ballast und die Anlagefläche des Kiels gestrichen worden. Die Spanten aus 4 mm Sperrholz, wurde in Breiten von 5 und 10 mm ausgesägt. Die Nuten in Kiel und Spanten waren eng toleriert, so, daß sich die Teile untereinander verklemmten und in ihrer Lage gehalten wurden. ( Zur Werkstoffersparnis können die Spanten ohne Decksbalken ausgesägt werden, dann lassen sie sich besser ineinander verschachteln. Die Decksbalken können auch hintereinander gezeichnet werden, so daß mit einem Sägeschnitt immer ein Balken entsteht. ) Zur besseren Symmetrie der Spanten dient ein umlaufender Balkweger aus einem Stück. Für die Stützen des Fußbrettes wurden im Abstand der Spanten Ausnehmungen ausgesägt. Der Kiel erhielt nun vorn und achtern noch beidseitig angeschrägte Leisten zum Anleimen der Planken. ( Vor dem Beplanken sollten die Spanten noch mit einer Biegeleiste gut ausgestrakt werden. Zeigen sich Unregelmäßigkeiten muß nachgearbeitet werden, das ist bei der dünnen Beplankung sehr wichtig. ) Dann wurden die Planken angeleimt. Der Einfachheithalber wurden die Leisten mit Pinnwandstiften angesteckt. Begonnen wurde oben an der Deckskante und gleichzeitig unten am Kiel mit der untersten Leiste. Ungefähr in der Kielwasserlinie trafen die Leisten zusammen. Die Planken wurden nicht untereinander verklebt, dies geschah hinterher selbsttätig mit dem Einbringen der Verstärkungsglasmatte und dem Harz. Nach dem Aushärten der Plankenverklebung war dies der nächste Arbeitsgang. Hierzu wurden 5 cm breite Streifen aus Glasgewebe geschnitten und innen zwischen den Spanten eingepasst und mit Polyesterharz getränkt. Das Harz füllt auch die Ritzen zwischen den Planken aus und gibt dem Rumpf dadurch zusätzliche Festigkeit. Nach dem vollständigen Aushärten des Harzes wurde der Rumpf außen glatt geschliffen und 3 mal mit Bootslack gestrichen. Die Fernsteuerung wurde so angebracht, daß sie durch das Kajütdach leicht zugänglich ist. Für die Segelbetätigung verwendete ich ein Maxi-Servo mit beidseitigem Hebelarm. Die Vorsegel wurden direkt angeschlagen. Für das Großsegel erhielt die andere Seite einen Block, durch den der Seilweg verdoppelt wird. Mit 2 Stahldrähten wurde das Ruderservo mit dem Ruder verbunden. Danach wurden die Decksbalken dicht aneinander direkt auf die Träger geklebt. Die Ränder sind innen mit einem Wassergang und außen mit einer Scheuerleiste abgedeckt. Danach ging es an den Ausbau der Kajüte und Plicht. Das stark gewölbte Dach aus 1 mm Sperrholz ist über Spanten gebogen und komplett abnehmbar. Das Schiebeluk ist in zwei kleinen U-Profilen verschiebbar gelagert. Die Lamellentür ist mittels Scharnieren beweglich. Beide werden zum Einschalten der Fernsteuerung geöffnet und bleiben wie bei einem richtigen Schiff während der Fahrt offen. Die Schoten treten wassergeschützt durch Ösen aus dem vorderen Ausstieg und der Kajütrückwand aus. Die Masten und Stengen bestehen aus einfachem Kiefernholz. Diese sind vorbildähnlich zu bedienen und die Fallen sind an Mastklampen und auf der Mastnagelbank belegt. Eine ausführlichere Baubeschreibung befindet sich bei dem Plan der bei dem Neckar-Verlag erhältlich ist. Da einige Modelle auch mit überlappendem Klüver gebaut wurden, möchte ich hierzu noch ein Beispiel fürs Segelreffen geben - sollte es einmal zu stark wehen. In diesem Fall kann das Boot mit gerefftem Großsegel und nur mit dem Klüver gesegelt werden. Mit dem Rackring lässt sich der Klüver einstellen, so das der Segelschwerpunkt neutral ist, und das Boot sich leicht steuern läßt.
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