I.G. mini-sail

aktualisiert am: 27.04.2018  

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Bief von Holger Klaus :

Moin an alle Mini-Sailer,
die Rubrik – Berichte / Legenden –, in unserer I.G.-mini-sail Internetseite, wurde am 16.04.2018
aktualisiert. Darin wurde über die Schiffsbaukonstrukteure Colin Archer, Max Oertz und Arthur
Tiller berichtet. Konstruktionen ihrer Schiffe sind auch für Modellbauer interessant.
Dieses veranlasst mich einmal einen Kommentar – basierend auf meinem Wissen über Modellbau –
dazu zu schreiben.
Die Firma Billing Boats hat die RS N°1 von Colin Archer im Programm. Nach dem Bau von
Modellen einschlägiger Modellbaufirmen sollte es nun einmal ein etwas anspruchsvolleres Modell
sein; also baute ich die RS N°1 mit der im Baukasten beiliegenden Bauanleitung und dem
geliefertem Material. Für die Segel wurde nicht der beiliegende Stoff verwendet, sondern die Segel
wurden von jemanden gefertigt, der Erfahrung damit hatte. Mit dem Ergebnis war ich sehr
zufrieden; die Segeleigenschaften sind auch bei stärkerem Wind sehr gut.
Beflügelt von diesem Ergebnis sollte es nun einmal ein Schiff nach Bauplan sein. In dem Buch
Bootsbau von A. Brix war eine Kreuzerjacht „Karin“ von M. Oertz mit einem sehr detaillierten Riss
abgebildet, dazu eine umfangreiche Zahlentafel. Diese Maße waren alles Maße des Originals. Nach
diversen Berichten in Modellbauzeitschriften müssen ggf. diese Werte jedoch für ein Modell
angepasst werden. Also zu diesem Zeitpunkt für mich eine Nummer zu groß.
Im Internet – Archiv – fand ich ein Buch von Arthur Tiller aus dem Jahr 1922 mit dem Titel
Modellyachtbau und -Segeln. Darin wurde an Hand von Rissen und Zeichnungen sehr ausführlich
beschrieben, wie er Modellsegeljachten entwirft, berechnet und baut.
Der in der Internetseite abgebildete Entwurf, unter dem Artikel über Arthur Tiller, ist in diesem
Buch auch abgebildet.
Interessant war nun für mich aus diesem Buch die Modellrennjacht „Carla“, als Kutter mit zwei
Vorsegeln getakelt. Toppsegel und Flieger waren im Segelplan auch gezeichnet. Das Modell wurde
damals auch von einer Modellbaufirma gewerbsmäßig hergestellt und verkauft.
Das Modell hat folgende Abmessungen: Länge über alles 1,440 m, größte Breite 0,270 m, größter
Tiefgang 0,214 m, Bleikiel 3,500 kg, Gesamtgewicht 7 kg, Segelfläche 1,040 m².
Mit den in dem Buch beschriebenen Holzbauweisen hatte ich keine Erfahrung. Da ich einmal ein
Seminar – Rumpfbau mit GFK – besucht hatte, baute ich einen Rumpf aus GFK; die Segel wurden
von einer Segelmacherei hergestellt. Jungfernfahrt – leichte Brise. Das Schiff lag bis zur
vorgeschriebenen Kielwasserlinie im Wasser und nahm gut Fahrt auf. Bei einer leichten Böe
kränkte das Schiff aber sehr stark.
Was war schief gelaufen. Mir hätte vielleicht auffallen müssen, dass meine anderen Schiffe im
Verhältnis Ballast zum Gesamtgewicht einen höheren Anteil an Bleigewicht hatten als die „Carla“;
außerdem waren die Segelflächen nicht so groß.
Während der Bauphase der „Carla“ hatte ich mir über den VTH-Verlag, im Buchhandel und über
das Internet einige Bücher über Schiffsbau gekauft. In Büchern, die sich mit Rumpfbau
beschäftigten, wurde sinngemäß geschrieben – traue keinem Bauplan, der nicht nach gewissen
Kriterien überprüft wurde. Außerdem sollte die Krängungsstabilität eines Segelbootes bestimmt
werden. Üblich ist, dass von einer Windstärke 4 Bft (Druck 2,5 kg/m²) und einer Krängung von 30°
ausgegangen wird.
Ob dieses die „Carla“ erfüllt, wurde in dem Buch von Arthur Tiller aber nicht beschrieben.
Also Schiffsberechnung anhand der mir vorliegenden Literatur. Dabei waren für mich harte Nüsse
zu knacken. Dieses Thema will ich hier nicht weiter ausführen und vertiefen. Letztlich ergab die
Berechnung für die „Carla“ einen Winddruck von 0,546 kg/m² = 5,3 N/m² = Bft 2. Zu wenig.
Problemlösung: Unter den Kiel kam noch eine Bleibombe, sodass der Ballastanteil ca. 60 % des
Gesamtgewichts des Schiffes betrug. Dadurch erhöhte sich zwar der Tiefgang, aber das Schiff ist
nun unter Normalbedingungen zu segeln.
Fazit: Auch Baupläne hervorragender Schiffsbaukonstrukteure sind für die Zwecke des heutigen
Modellbaus zu modifizieren und zu ändern.

Im letzten Jahr kaufte ich mir vom VTH-Verlag einen der letzten 3 Baupläne des Katamaran Jet
Services. Dieser hat als erster Katamaran des Atlantik überquert.
Ich bin wieder am rechnen.
 

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